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Rehkitz-Rettung: vor der Mahd gefunden, nach der Mahd wieder frei

Im Mai und Juni drücken sich Kitze im hohen Gras — vor dem Mähwerk laufen sie nicht weg. Die Wärmebilddrohne findet sie im Morgengrauen aus sicherer Höhe, Helferteams bergen sie, und der Landwirt kann direkt danach mähen.

Für Landwirte ist der Aufwand klein: Es genügt, die Flurstücke am Vorabend zu melden. Die Route wird mit den Jagdpächtern abgestimmt, damit bekannte Einstände zuerst geflogen werden.

Helfer trägt ein geborgenes Rehkitz in einer Kiste aus der Wiese
Bergung am frühen Morgen — das Kitz kommt nach der Mahd zurück zur Geiß
Saison
Mai–Juni, Flüge im Morgengrauen
Meldung
Flurstücke am Vorabend genügen
Leistung
Ca. 4 Minuten je Hektar, ab 7 Uhr kann gemäht werden
Kosten
Im Kreis Göppingen über SchwabenKitz e.V. für Landwirte kostenfrei; außerhalb 18 €/ha — Richtwerte

So läuft die Rettung ab

  1. Vorabend: Der Landwirt meldet die Flurstücke, die morgens gemäht werden. Mit den Jagdpächtern werden die Hotspots besprochen und die Route festgelegt.

  2. Morgengrauen: Die Drohne fliegt die Wiesen nahezu automatisch auf gespeicherten Wegpunkten ab. Der Kameraoperator meldet jede Wärmequelle per Funk an die Fängerteams.

  3. Bergung: Kitze werden mit Kisten abgedeckt und markiert oder geschützt am Waldrand abgelegt — ohne direkten Hautkontakt, damit die Geiß sie wieder annimmt.

  4. Mahd und Freilassung: Direkt nach dem Mähen werden die Kitze freigelassen. Das Kitz ruft nach der Geiß und findet in der Regel schnell zu ihr zurück.

Vor der Saison lassen sich Wiesen bei Tageslicht in Ruhe abfliegen: Die gespeicherten Wegpunkte machen die Einsatzflüge im Morgengrauen schneller und sicherer.

Kitzrettung im Kreis Göppingen: SchwabenKitz e.V.

Die Kitzrettung rund um den Hohenstaufen ist Ehrenamt: Der Verein SchwabenKitz e.V. koordiniert Piloten, Drohnen und Helferteams und rettet jede Saison mehrere hundert Kitze. Für Landwirte ist der Einsatz kostenfrei; der Verein freut sich über Mitgliedschaft oder Spende.

WILDFLUG fliegt seit 2019 in der Kitzrettung und bringt Technik und Erfahrung in den Verein ein. Flächen im Landkreis Göppingen melden Sie deshalb am besten direkt über schwabenkitz.de — Anfragen außerhalb des Vereinsgebiets übernimmt WILDFLUG nach Absprache.

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Was Sie über die Kitzrettung wissen sollten

Die häufigsten Fragen aus den Gesprächen mit Landwirten und Jagdpächtern, mit den Antworten, die wir aus über sechs Jahren Einsatzpraxis rund um den Hohenstaufen geben können.

Warum Kitze nicht weglaufen

Rehkitze haben in den ersten Lebenswochen einen Drückinstinkt. Bei Gefahr bleiben sie reglos liegen, statt zu fliehen. Das schützt sie vor Fuchs und Greifvogel und wird vor dem Mähwerk zur Falle. Dazu kommt: Kitze geben in dieser Zeit kaum Geruch ab, ein Hund findet sie nur zufällig. Die Geiß legt ihr Kitz bewusst in hohes Gras, also genau dort, wo Anfang Juni der erste Schnitt ansteht. Erst mit etwa drei Wochen wechselt das Kitz vom Drücken zum Flüchten.

Die Rechtslage in Kürze

Nach § 1 Tierschutzgesetz darf niemand einem Tier ohne vernünftigen Grund Leiden zufügen. Wer eine Fläche mäht, ohne sie vorher abzusuchen, kann sich nach § 17 Tierschutzgesetz strafbar machen. Der Strafrahmen reicht bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe oder Geldstrafe; ergangene Urteile bewegen sich meist zwischen 1.000 und 10.000 Euro, in Einzelfällen kam es zu Freiheitsstrafen auf Bewährung. Zuständig ist nach dem Verursacherprinzip der Landwirt beziehungsweise der Maschinenführer, nicht der Jagdpächter. Der Deutsche Bauernverband empfiehlt, den Mahdtermin mindestens 24 Stunden vorher mit dem Jagdpächter zu besprechen. Eine dokumentierte Drohnensuche am Morgen der Mahd ist der einfachste Nachweis, dass die gebotene Sorgfalt eingehalten wurde.

Warum das Zeitfenster so eng ist

Die Wärmebildkamera erkennt Temperaturunterschiede, nicht Formen. Ein Kitz hat rund 38 Grad, die Wiese im Morgengrauen etwa 10 bis 15 Grad. Dieser Abstand macht das Kitz auf dem Bild zu einem eindeutigen hellen Fleck. Sobald die Sonne die Halme aufheizt, schrumpft der Abstand, und ab etwa 9 Uhr sind warme Grasnester von Kitzen kaum noch zu unterscheiden. Deshalb starten Einsätze mit Sonnenaufgang und sind bis 8 Uhr abgeschlossen. Bewölkte Morgen sind gut, weil der Boden nachts weniger abstrahlt hat und gleichmäßig kühl bleibt.

Was der Flug leistet und was nicht

Ein Hektar ist in etwa vier Minuten abgeflogen. Die Drohne fliegt gespeicherte Wegpunkte in Bahnen ab, der Kameraoperator meldet jede Wärmequelle per Funk an die Fängerteams am Boden. Gefunden werden neben Kitzen auch Junghasen, Bodenbrüter und gelegentlich Katzen. Was die Drohne nicht leistet: Sie ersetzt die Helfer nicht. Ohne Team am Boden bleibt der Fund eine Koordinate. Und sie sieht nicht durch dichte Baumkronen, Randstreifen unter Bäumen werden zu Fuß abgegangen.

Häufige Fragen

Muss ich als Landwirt vor der Mahd absuchen lassen?

Eine ausdrückliche Pflicht zur Drohnensuche gibt es nicht. Sie müssen aber zumutbare Maßnahmen ergreifen, damit keine Tiere vermäht werden; sonst kommt § 17 Tierschutzgesetz in Betracht. Die Drohnensuche ist die Maßnahme mit der höchsten Trefferquote und lässt sich dokumentieren.

Was kostet die Kitzrettung?

Im Landkreis Göppingen ist sie für Landwirte kostenfrei. Sie läuft dort ehrenamtlich über den Verein SchwabenKitz e.V., WILDFLUG bringt Technik und Piloten ein. Außerhalb des Vereinsgebiets rechnen wir mit 18 Euro je Hektar ab, mindestens 220 Euro je Einsatzmorgen, ab 40 Hektar am Stück 15 Euro je Hektar.

Wann muss ich die Fläche melden?

Am Vorabend genügt. Wir brauchen die Flurstücke und eine Telefonnummer. Die Route stimmen wir mit dem Jagdpächter ab, damit bekannte Einstände zuerst geflogen werden. Kurzfristige Meldungen am selben Morgen sind in der Hochsaison schwierig, weil die Fenster zwischen 5 und 8 Uhr belegt sind.

Darf ich ein gefundenes Kitz anfassen?

Nicht mit bloßen Händen. Wir arbeiten mit Handschuhen und Grasbüscheln, damit möglichst wenig menschlicher Geruch an das Tier kommt. Die Kitze werden mit Kisten abgedeckt und markiert oder geschützt am Waldrand abgelegt und direkt nach der Mahd wieder freigelassen. In aller Regel ruft das Kitz nach der Geiß und wird wieder angenommen.

Wie viele Kitze liegen auf einem Hektar?

Das schwankt stark mit Revier, Lage und Jahr. Auf zusammenhängenden Wiesen in Waldrandlage finden wir regelmäßig ein bis zwei Kitze je Hektar, auf ortsnahen Flächen deutlich weniger. Verlässlich ist nur der Flug: Ein Nullfund ist ebenso ein Ergebnis und dokumentiert, dass die Fläche geprüft war.

Einsatz anfragen

Kurzfristige Termine sind möglich, gerade in der Mahd- und Erntezeit. Beschreiben Sie Fläche, Ort und Zeitfenster, wir melden uns mit einem Richtwert zurück.