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Trichogramma-Ausbringung: der Maiszünsler wird biologisch gestoppt

Der Maiszünsler gehört zu den größten Schädlingen im Maisanbau. Trichogramma-Schlupfwespen parasitieren seine Eier, bevor die Raupe schlüpft, die Drohne verteilt die Kugeln mit den Nützlingen präzise und schlagkräftig über der Fläche.

Die Ausbringung läuft in Zusammenarbeit mit dem Maschinen- und Betriebshilfsring Schwäbisch Hall e.V., der Trichogramma seit 2015 ausbringt und in Nordwürttemberg und im angrenzenden Bayern unterwegs ist — je nach Schlaggröße per Drohne oder manuell, terminiert auf den Flug des Zünslers und die lokale Witterung.

Hexacopter mit Streubehälter über einem Maisfeld, davor der Pilot mit der Fernsteuerung
Ausbringung im Bestand, die Kugeln fallen im Raster, ohne dass jemand die Reihen betreten muss
Zeitraum
Ende Mai bis Juni, je nach Witterung
Verfahren
Trichogramma-Kugeln, GPS-gestützt per Drohne verteilt
Wirkung
Parasitiert Zünsler-Eier, chemiefrei, ohne Rückstände
Zulassung
Auch für den Öko-Landbau geeignet

Ihre Vorteile

  • Chemiefreie Schädlingsbekämpfung ohne Wartezeiten und Rückstände
  • Schont Nützlinge, Boden und Umwelt, auch im Öko-Landbau einsetzbar
  • Kein zusätzlicher Arbeitsgang: Anmeldung genügt, Termin und Logistik werden organisiert
  • Ein Ansprechpartner: Beauftragung, Flächenbündelung und Abrechnung laufen über den Maschinenring Schwäbisch Hall
  • Zwei Ausbringungstermine statt einem, terminiert nach dem Falterflug

Was der Maiszünsler kostet, wenn nichts passiert

Der Maiszünsler frisst sich durch Stängel und Kolben. Die Pflanze knickt, der Kolben fällt ab, und in die Fraßgänge ziehen Pilze ein. Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft beziffert die Folgen deutlich: Bei einer Befallstärke von zwei bis drei Raupen je Pflanze ist im langjährigen Mittel mit Ertragsverlusten von 10 bis 30 Prozent zu rechnen.

Dazu kommt, was keine Ertragstabelle zeigt: Fusarien in den Fraßgängen bilden Mykotoxine, und die landen im Silo. Bei Futtermais ist das der teurere Teil des Schadens.

Der Schädling überwintert im Stoppelrest und startet dort im nächsten Jahr die neue Generation. Deshalb ist die Ausbringung nur die eine Hälfte der Arbeit. Die andere nennt die Landesanstalt beim Namen: Nur tiefes, sauberes Unterpflügen der Maisstoppeln und des Maisstrohs sei eine langfristig erfolgversprechende Bekämpfungsmethode. Wer beides macht, drückt den Befallsdruck über Jahre.

Was die Schlupfwespe leistet, und was sie nicht leistet

Trichogramma sind wenige Zehntelmillimeter große Schlupfwespen. Sie legen ihre Eier in die Eier des Maiszünslers, und die Raupe schlüpft nie. Der Angriff erfolgt also vor dem Schaden, nicht danach. Das ist der Grund für den engen Termin: Ist die Raupe erst im Stängel, erreicht sie niemand mehr, auch kein Spritzmittel.

Bei den Wirkungsgraden lohnt Ehrlichkeit, weil sie in der Werbung gern nach oben wandern. Die Landesanstalt nennt aus ihren Versuchsreihen im Mittel 55 Prozent für Trichogramma, mit einer Spanne von 35 bis 81 Prozent. Pyrethroide liegen bei 75 Prozent, Bt-Mais bei 95. Trichogramma ist damit nicht das wirksamste Verfahren, sondern das wirksamste ohne Rückstände, ohne Wartezeit und ohne Auflagen gegenüber Bienen und Gewässern.

Die Spanne von 35 bis 81 Prozent ist die eigentliche Botschaft. Sie hängt am Termin, und der hängt am Falterflug. Deshalb wird nicht nach Kalender geflogen.

Zwei Termine, und warum sie nicht im Kalender stehen

Ausgebracht wird zweimal: zum Flugbeginn des Maiszünslers und noch einmal zwölf bis vierzehn Tage später. Der zweite Termin deckt die Eier ab, die zum ersten noch nicht gelegt waren. Ein einzelner Termin halbiert die Wirkung, und genau daran scheitern die günstigen Angebote mit einer Ausbringung.

Wann der Flug beginnt, entscheidet die Witterung, nicht das Datum. In Baden-Württemberg koordiniert das Landwirtschaftliche Technologiezentrum Augustenberg das Maiszünsler-Monitoring und das Prognosemodell und stimmt die Freilassungstermine für das Land ab. An diesen Terminen hängt die Kampagne, und deshalb steht bei der Anmeldung ein Zeitraum und kein Tag.

JE HEKTAR

Rund 100 Kugeln mit etwa 220.000 Schlupfwespen, verteilt auf zwei Durchgänge. Die Drohne setzt alle zehn Meter eine Kugel ab, GPS-gestützt im Raster, ohne dass jemand den Bestand betreten muss. Ab Kniehöhe ist das der einzige Weg, der die Reihen nicht beschädigt.

Anmeldung und Kosten

Die Anfrage können Sie direkt an uns richten. Beauftragung und Abrechnung laufen über den Maschinenring Schwäbisch Hall, der die Kampagne organisiert und die Technik stellt; wir fliegen sie. Für Sie heißt das ein Ansprechpartner für den Termin und eine Rechnung vom Ring. Die Flächen mehrerer Betriebe werden gebündelt und an einem Termin geflogen, deshalb lohnt es sich, Nachbarn mitzunehmen.

RICHTWERT NETTO · SAISON 2026

Komplettpaket je Hektar
95 €/ha
Ab 10 Hektar
89 €/ha
FAKT-Zuschuss Baden-Württemberg
− 60 €/ha

Bleibt eine Nettobelastung von rund 29 bis 35 €/ha. Der verbindliche Satz kommt mit der Anmeldung vom Maschinenring, der auch die Rechnung stellt.

Beantragt wird der Zuschuss über den Gemeinsamen Antrag in FIONA, nicht bei uns und nicht beim Ring. Für 2026 lief die Frist am 15. Mai; nach dem 31. Mai werden FAKT-Anträge als verfristet abgelehnt. Einen zeitlich vorgelagerten Förderantrag für FAKT II gibt es seit dem Antragsjahr 2026 nicht mehr, das hat das Ministerium für Ländlichen Raum am 20.10.2025 mitgeteilt. Nachweispflicht bleibt: Kaufbeleg der Nützlinge und zwei Ausbringungen. Beides bekommen Sie von uns als Ausbringungsnachweis.

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Zum Nachlesen: Zeitfenster, Förderung und Anmeldung für 2027 · Aus der Praxis: die Ausbringung 2021 im Rückblick

Einsatz im Juli 2021, dokumentiert vom Teckboten

Fotos: Thomas Krytzner. Zum Vergrößern anklicken, die Lightbox lädt die Originalauflösung. Bericht als PDF lesen (Der Teckbote, 20.07.2021).

Maiszünsler und Trichogramma: die Grundlagen

Warum der Termin über den Erfolg entscheidet, was die Schlupfwespe genau macht und wie die Förderung in Baden-Württemberg funktioniert.

Der Schädling

Der Maiszünsler ist ein Nachtfalter. Die Weibchen legen ihre Eier in Spiegeln auf die Blattunterseiten. Aus jedem Ei schlüpft eine Raupe, die sich in den Stängel bohrt und ihn von innen aushöhlt. Die Folge sind Fahnenbruch, Stängelbruch vor der Ernte, Ertragsverlust und, weil die Bohrlöcher Eintrittspforten sind, ein höheres Risiko für Fusarium und damit für Mykotoxine im Erntegut. Die Raupe überwintert im Stoppelrest, weshalb sauberes Mulchen und Einarbeiten der Stoppeln zur Bekämpfung dazugehören.

Der Gegenspieler

Trichogramma ist eine Schlupfwespe von weniger als einem Millimeter Größe. Sie sticht die Eier des Maiszünslers an und legt ihr eigenes Ei hinein. Statt einer Raupe schlüpft eine neue Schlupfwespe. Der Schädling wird also gestoppt, bevor er überhaupt in den Stängel gelangt. Es kommt kein Wirkstoff auf die Pflanze, es gibt keine Wartezeit und keine Rückstände. Für Bienen, Nützlinge und Boden ist das Verfahren unbedenklich, es ist auch im Ökolandbau zugelassen.

Warum der Termin alles entscheidet

Zu früh ausgebracht, findet die Schlupfwespe noch keine Eier. Zu spät ausgebracht, ist im Ei bereits die Raupe entwickelt und die Wespe kann nichts mehr ausrichten. In Baden-Württemberg wird der Zuflug amtlich mit Licht- und Pheromonfallen überwacht. Sobald vermehrt Weibchen gefangen werden, ist der Zeitpunkt da, je nach Region etwa Mitte Juni bis Anfang Juli. Wir bringen deshalb in zwei Durchgängen aus: Der zweite Termin fängt die Nachzügler ab und macht die Kampagne unabhängiger von einem einzelnen Wettertag.

Wirkung und Kosten

Die Wirkungsgrade des biologischen Verfahrens liegen bei 70 bis 85 Prozent und damit im Bereich chemischer Verfahren. Baden-Württemberg fördert die Ausbringung über das Agrarumweltprogramm FAKT mit 60 Euro je Hektar. Bei unserem Komplettpreis von 95 Euro je Hektar bleibt damit eine Nettobelastung von rund 29 bis 35 Euro je Hektar, ab 10 Hektar weniger. Dem steht ein vermeidbarer Schaden von etwa 150 Euro je Hektar gegenüber.

Was zur Bekämpfung dazugehört

Die Schlupfwespe wirkt gegen die Eier der laufenden Saison, nicht gegen die Raupen, die bereits im Stängel sitzen. Die überwintern im Stoppelrest und starten im nächsten Jahr die neue Generation. Wer den Befallsdruck dauerhaft senken will, kombiniert deshalb beides: Trichogramma zum Zuflug und sauberes Mulchen und Einarbeiten der Stoppeln nach der Ernte. Beides zusammen wirkt deutlich besser als jede Maßnahme für sich.

Warum per Drohne

Von Hand werden die Kugeln am Feldrand oder aus der Fahrgasse abgelegt, was bei großen Schlägen ungleichmäßig verteilt und Arbeitszeit kostet. Die Drohne fliegt GPS-gestützte Bahnen über den Bestand und setzt die Kugeln in gleichmäßigem Raster ab, auch mitten im Schlag. Der Mais wird dabei nicht befahren, es entstehen keine Fahrspuren und kein zusätzlicher Arbeitsgang. Läuft die Kampagne gebündelt über den Maschinenring, sinken zudem die Rüstzeiten je Hektar.

Häufige Fragen

Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Ausbringung?

Sobald der Zuflug des Maiszünslers beginnt, in Baden-Württemberg je nach Region etwa Mitte Juni bis Anfang Juli. Maßgeblich sind die amtlichen Licht- und Pheromonfallen. Wir bringen in zwei Durchgängen aus, damit auch Nachzügler erfasst werden.

Wie hoch ist der Wirkungsgrad?

In der Praxis werden 70 bis 85 Prozent erreicht. Das liegt im Bereich chemischer Verfahren, ohne Wirkstoff, ohne Wartezeit und ohne Rückstände im Erntegut.

Wird die Ausbringung gefördert?

Ja. Baden-Württemberg fördert die biologische Maiszünsler-Bekämpfung über FAKT mit 60 Euro je Hektar. Den Ausbringungsnachweis für den Förderantrag stellen wir aus.

Ist das Verfahren im Ökolandbau zugelassen?

Ja. Es kommt kein Pflanzenschutzmittel zum Einsatz, sondern ein Nützling. Das Verfahren ist auch für den ökologischen Landbau geeignet.

Muss ich mich um die Bestellung kümmern?

Nein. Die Kampagne läuft gebündelt über den Maschinenring. Sie melden Ihre Fläche an, wir übernehmen Termin, Logistik und Ausbringung. Für Ihren Betrieb entsteht kein zusätzlicher Arbeitsgang.

Fläche für die nächste Kampagne anmelden

Schlaggröße und Gemarkung genügen — Termin und Logistik werden mit dem Maschinenring koordiniert.