Wo der Zünsler den Winter verbringt
Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft fasst den Jahreslauf knapp zusammen: „Die Überwinterung erfolgt in den Maisstoppeln. Im darauf folgenden Mai verpuppt sich der Schädling.“ Ab Juni fliegen die ersten Falter aus den vorjährigen Maisschlägen in die neuen Bestände ein, im Juli erreicht der Zuflug meist seinen Höhepunkt.
Die Weibchen legen weißliche, miteinander verkittete Eier an der Unterseite der Maisblätter ab, im Mittel zehn bis zwanzig Stück je Gelege. Nach ein bis zwei Wochen schlüpfen die Larven, bohren sich in die Pflanze und fressen im Stängelinneren nach unten. Von diesem Moment an ist die Raupe für jedes Mittel und für jeden Nützling unerreichbar.
Daraus ergibt sich die ganze Strategie. Angreifbar ist der Zünsler in genau zwei Momenten: als Ei, bevor die Larve schlüpft, und als Raupe im Stoppel, bevor sie sich im Mai verpuppt. Alles andere ist Beobachtung.
Was ein Befall kostet
Die Landesanstalt beziffert die Folgen deutlich: „Bei einer Befallstärke von zwei bis drei Raupen pro Pflanze ist im langjährigen Mittel mit Ertragsverlusten von 10 bis 30 Prozent zu rechnen.“ Die Pflanze knickt über der Fraßstelle, Kolben fallen ab, und in die offenen Fraßgänge ziehen Pilze ein.
Als Orientierung, ab wann sich eine Behandlung überhaupt lohnt, nennt die Fachpresse Befallsschwellen von 15 bis 20 Prozent befallener Pflanzen im Körnermais und 20 bis 30 Prozent im Silomais. Wer diese Zahl nicht kennt, entscheidet über Gefühl, und das Gefühl kommt aus dem Vorjahr.
Die billigste Maßnahme kommt nach der Ernte
Sie kostet kein Pflanzenschutzmittel, nur Maschinenzeit. Die Landesanstalt ist an dieser Stelle ungewöhnlich eindeutig: „Nur tiefes (25 cm), sauberes Unterpflügen der Maisstoppeln und des Maisstrohs ist eine langfristig Erfolg versprechende Bekämpfungsmethode.“ Der Gedanke dahinter ist einfach: Die schlüpfenden Falter kommen aus dem Boden nicht mehr heraus.
Zerkleinern allein trägt nicht. Fräse oder Scheibenegge töten Raupen, aber erfahrungsgemäß reichen diese Maßnahmen für sich genommen nicht aus, um die Population unter der Schadschwelle zu halten. Erst die Kombination wirkt: mulchen, damit die Stoppel aufgebrochen wird, und anschließend sauber einarbeiten.
Die Schwachstelle des Verfahrens ist die Erfassung. Die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen hat Mulchgeräte im Feld verglichen und hält fest, dass niedergefahrene Maisstoppeln und niedergefahrenes Maisstroh „von keinem der Mulchgeräte zufriedenstellend erfasst und zerkleinert“ werden. Wo der Reifen war, überlebt die Raupe.
Und ein Punkt, der sich nicht kaufen lässt: „Erfolge sind aber nur dann zu erwarten, wenn diese Hygienemaßnahmen von allen Landwirten im Befallsgebiet konsequent über die Jahre durchgeführt werden.“ Der Falter fliegt über die Feldgrenze, und er fragt nicht, wer gepflügt hat.
Trichogramma trifft das Ei, nicht die Raupe
Die Schlupfwespe legt ihr eigenes Ei in das Ei des Zünslers, bevor die Larve schlüpfen kann. Das ist der zweite angreifbare Moment, und er ist kurz. Ausgebracht wird deshalb zum Flugbeginn und noch einmal zwölf bis vierzehn Tage später.
Beim Wirkungsgrad lohnt Nüchternheit. Die Landesanstalt nennt aus ihren Versuchsreihen im Mittel 55 Prozent bei zweimaliger Ausbringung, mit einer Spanne von 35 bis 81 Prozent. Diese Spanne ist die eigentliche Aussage: Sie entsteht fast vollständig über den Termin, nicht über das Produkt.
In derselben Übersicht stehen 75 Euro je Hektar und eine Arbeitskraftstunde. Die Arbeitskraftstunde ist der Posten, den die Drohne ersetzt, denn von Hand heißt Trichogramma: den Bestand zweimal ablaufen.
Insektizid und der Vergleich, der nicht mehr zählt
Eine einmalige Insektizidbehandlung liegt in derselben Übersicht bei 75 Prozent Wirkungsgrad, mit einer Spanne von 33 bis 93 Prozent, und bei 40 Euro je Hektar. Behandelt wird zum Flughöhepunkt im Juli.
Daneben stehen zwei praktische Fragen. Der Bestand ist im Juli so hoch, dass die Überfahrt Technik verlangt, die nicht jeder Betrieb vorhält. Und an der Anwendung hängen Auflagen zum Schutz von Bienen und Gewässern, die nicht allgemein gelten, sondern in der Zulassung des jeweiligen Mittels stehen. Beides klärt die Pflanzenschutzberatung vor dem Kauf, nicht nach dem Termin.
Der Wert, der in jeder Übersicht am besten aussieht, ist ohnehin keine Option: Bt-Mais liegt bei 95 Prozent Wirkungsgrad, sein Anbau ist in Deutschland seit 2009 nicht mehr erlaubt.
Die Reihenfolge, die sich rechnet
Im Herbst die Stoppel: mulchen und tief einarbeiten. Im Frühjahr nichts, außer der Fruchtfolge. Ab Ende Mai der Blick auf das Monitoring, weil der Flugbeginn den Termin setzt und nicht der Kalender. Zum Flugbeginn die erste Ausbringung, zwölf bis vierzehn Tage später die zweite. Und ein Insektizid nur dort, wo der Befall trotz allem über der Schwelle liegt und der Bestand befahrbar ist.
Wer nur eine dieser Maßnahmen umsetzen kann, nimmt die Stoppel. Sie ist die einzige, die die Population selbst verkleinert. Alles andere fängt eine Generation ab und lässt die nächste im Feld stehen.
Wie Sie bei uns dazukommen
Die Ausbringung fliegen wir im Raum Schwäbisch Hall und Hohenlohe. Anfragen nehmen wir gern direkt entgegen; Beauftragung und Abrechnung laufen über den Maschinenring Schwäbisch Hall, der auch die Technik dafür stellt.
Praktisch heißt das: Sie melden Ihre Flächen im Herbst oder Winter an, wir planen die Termine nach dem Flugbeginn, und den Ausbringungsnachweis für den FAKT-Antrag bekommen Sie von uns.
Häufige Fragen
Was hilft am meisten gegen den Maiszünsler?
Die Stoppelbearbeitung. Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft nennt nur tiefes, sauberes Unterpflügen bei 25 Zentimetern als langfristig Erfolg versprechende Methode. Alle anderen Verfahren fangen eine Generation ab, verkleinern die Population aber nicht.
Reicht Mulchen ohne anschließendes Einarbeiten?
Nein. Zerkleinern tötet Raupen, reicht aber erfahrungsgemäß nicht aus, um die Population unter der Schadschwelle zu halten. Dazu kommt, dass niedergefahrene Stoppeln von keinem Mulchgerät zufriedenstellend erfasst werden.
Wann wird Trichogramma ausgebracht?
Zum Flugbeginn des Maiszünslers und noch einmal zwölf bis vierzehn Tage später. Der Termin richtet sich nach dem Monitoring, nicht nach dem Kalender, und er entscheidet über den Wirkungsgrad stärker als alles andere.
Bringt es etwas, wenn nur ein Betrieb etwas macht?
Für die eigene Fläche ja, für den Befallsdruck der Region kaum. Die Landesanstalt formuliert es so, dass Erfolge nur zu erwarten sind, wenn die Hygienemaßnahmen von allen Landwirten im Befallsgebiet konsequent über die Jahre durchgeführt werden.
Quellen und Rechtsstand
Stand dieses Beitrags: 11. September 2026. Rechtsangaben ändern sich; vor einer Entscheidung lohnt der Blick in die jeweils gültige Fassung.
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