Warum es keine zentrale Nummer gibt
Die Kitzrettung ist in den letzten Jahren aus dem Ehrenamt gewachsen. Vereine haben sich gegründet, Jägerschaften haben Drohnen angeschafft, einzelne Betriebe bieten die Suche als Dienstleistung an. Eine Behörde koordiniert das nicht, und es gibt keine Meldepflicht.
Ein Grund für die vielen Vereine steht im Förderrecht: Die Bundesförderung für Drohnen mit Wärmebildkamera richtet sich ausschließlich an eingetragene Vereine. Wer als Landwirt oder Jagdpächter eine geförderte Drohne wollte, konnte keinen Antrag stellen. Das hat die Landschaft geprägt, und deshalb führt der erste Weg fast immer zu einem Verein.
Weg 1: die bundesweiten Verzeichnisse
Das umfangreichste Verzeichnis ist Kitzrettung-Hilfe. Das Portal wurde 2017 gegründet und bringt Landwirte, Piloten, Organisationen und Helfer zusammen; nach eigenen Angaben sind dort über 3.000 Hilfsangebote eingetragen. Die Suche läuft über die Postleitzahl, und eine Anfrage kostet nichts.
Daneben führt Wildtierschutz Deutschland ein kostenloses Postleitzahlen-Verzeichnis von Kitzrettungs-Drohnenteams. Beide Verzeichnisse leben davon, dass Teams sich selbst eintragen. Ein leerer Umkreis heißt deshalb nicht, dass es niemanden gibt, sondern dass sich niemand eingetragen hat.
Für den ersten Versuch sind die Verzeichnisse trotzdem der schnellste Weg, gerade außerhalb der eigenen Region.
Weg 2: der Verein vor Ort
Wo ein Kitzrettungsverein arbeitet, ist er meistens die beste Adresse: Er kennt die Flächen, hat die Helfer und arbeitet ehrenamtlich. Im Landkreis Göppingen übernimmt SchwabenKitz e. V. die Kitzrettung, Landwirte melden ihre Flächen direkt beim Verein und zahlen nichts.
Vereine sind allerdings kapazitätsbegrenzt, und ihre Gebiete enden an einer Kreisgrenze, nicht an der Feldgrenze. Wer knapp außerhalb liegt, hört das oft erst beim Anruf. Fragen Sie deshalb gleich zu Anfang, ob Ihre Gemarkung dazugehört.
Weg 3: Jagdpächter und Kreisjägervereinigung
Der Jagdausübungsberechtigte Ihrer Fläche hat ein eigenes Interesse an der Suche und weiß, wer im Revier fliegt. Er ist ohnehin zu informieren, wenn Kitze bewegt werden, also ist der Anruf doppelt sinnvoll.
Führt das nicht weiter, hilft die Kreisjägervereinigung. Sie kennt die Drohnenteams im Kreis, koordiniert in manchen Landkreisen die Einsätze und weiß, welche Vereine noch Kapazität haben. Der Landesjagdverband Baden-Württemberg betreibt zusätzlich eine Rehkitzhotline.
Weg 4: der Dienstleister
Bleibt der Weg über einen gewerblichen Anbieter. Er lohnt sich, wenn die Fläche außerhalb eines Vereinsgebiets liegt, wenn es kurzfristig gehen muss, oder wenn mehrere Betriebe einen gemeinsamen Termin brauchen.
In eigener Sache: Wir fliegen im Landkreis Göppingen und in der Region Stuttgart. Im Kreis Göppingen läuft die Kitzrettung über SchwabenKitz und ist für Sie kostenfrei; außerhalb liegt der Richtwert bei 18 Euro je Hektar, mindestens 220 Euro je Einsatzmorgen. Beauftragung und Abrechnung laufen über den Maschinenring Schwäbisch Hall, die Anfrage nehmen wir entgegen.
Was Sie beim ersten Anruf sagen sollten
Fünf Angaben entscheiden darüber, ob aus dem Gespräch ein Termin wird: die Fläche in Hektar, die Lage möglichst als Flurstück oder Koordinate, der geplante Mähtag, die Zufahrt für die Bodenteams, und ob Nachbarflächen am selben Morgen mitgemacht werden können.
Die letzte Angabe ist die wirksamste. Ein Einsatzmorgen dauert zwei bis drei Stunden, und ob darin zehn oder vierzig Hektar liegen, entscheidet über Termin und Preis. Wer zwei Nachbarn mitbringt, bekommt eher einen Platz.
Wann Sie anrufen sollten
Zwei Wochen Vorlauf sind komfortabel, eine Woche ist üblich, zwei Tage sind machbar, wenn kein anderer Einsatz auf demselben Morgen liegt. In der Hochsaison im Mai wollen alle gleichzeitig mähen, und das nutzbare Zeitfenster reicht jeden Morgen nur vom Sonnenaufgang bis etwa acht Uhr.
Wenn es für einen Suchflug zu spät ist, bleiben die Maßnahmen ohne Termin: am Vorabend vergrämen, von innen nach außen mähen, langsamer fahren. Sie ersetzen die Suche nicht, sind aber deutlich besser als nichts.
Häufige Fragen
Gibt es ein zentrales Verzeichnis für Kitzretter?
Keine amtliche Stelle führt eines. Am umfangreichsten ist das Portal Kitzrettung-Hilfe mit nach eigenen Angaben über 3.000 Hilfsangeboten und Postleitzahlensuche; Wildtierschutz Deutschland führt ein weiteres kostenloses Verzeichnis.
Was kostet die Suche?
Über einen Verein in der Regel nichts, er finanziert sich über Mitglieder und Spenden. Bei einem Dienstleister wird je Hektar abgerechnet, bei uns außerhalb des Vereinsgebiets zum Richtwert von 18 Euro je Hektar mit einem Mindestbetrag je Einsatzmorgen.
Der Umkreis im Verzeichnis ist leer, was jetzt?
Das heißt nur, dass sich dort niemand eingetragen hat. Fragen Sie den Jagdausübungsberechtigten Ihrer Fläche und die Kreisjägervereinigung, die kennen die Teams im Kreis auch ohne Verzeichnis.
Wie kurzfristig kann ich anmelden?
Zwei Wochen sind komfortabel, eine Woche üblich, zwei Tage machbar. Entscheidend ist, ob der Einsatzmorgen schon vergeben ist. Benachbarte Flächen an einem Termin verbessern die Chance deutlich.
Quellen und Rechtsstand
Stand dieses Beitrags: 9. September 2026. Rechtsangaben ändern sich; vor einer Entscheidung lohnt der Blick in die jeweils gültige Fassung.
- Kitzrettung-Hilfe, Portal mit Postleitzahlensuche für Piloten, Organisationen und Helfer
- Wildtierschutz Deutschland, bundesweites Verzeichnis von Kitzrettungs-Drohnenteams
- Landesjagdverband Baden-Württemberg, Projekt Kitzrettung
- BLE, Bundesförderprogramm Rehkitzrettung: antragsberechtigt sind eingetragene Vereine
- Eigene Einsatzpraxis WILDFLUG, Landkreis Göppingen und Region Stuttgart
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