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Kadaversuche bei der Afrikanischen Schweinepest: Was Drohne, Hund und Suchkette jeweils leisten

In der Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest ist der tote Kadaver das eigentliche Ziel, nicht das lebende Tier. Gesucht wird mit drei Verfahren, und sie ersetzen einander nicht: Die Drohne nimmt die Fläche, der Hund die Dickung, die Suchkette den Rest. Wer nur eines davon einsetzt, sucht an der Hälfte des Gebiets vorbei.

Wärmebilddrohne über einem abgeernteten Maisfeld am Waldrand, Raureif und Bodennebel im ersten Licht (KI-erzeugtes Symbolbild)

Technik und Wärmebild · · 5 Minuten Lesezeit · von

Warum ausgerechnet der Kadaver gesucht wird

Das Virus der Afrikanischen Schweinepest ist außerordentlich widerstandsfähig. Das Friedrich-Loeffler-Institut spricht von der hohen Tenazität des Erregers, und die ist der Grund, warum ein verendetes Wildschwein wochenlang eine Infektionsquelle bleibt. Ein Kadaver, der im Bestand liegen bleibt, steckt die nächste Rotte an, die daran vorbeizieht.

Deshalb steht am Anfang jeder Bekämpfung die passive Überwachung: Fallwild finden, beproben, entfernen. Das Institut bittet die Jägerschaft ausdrücklich, vermehrtes Fallwild zu melden und amtlich untersuchen zu lassen. In Baden-Württemberg läuft der Untersuchungsantrag seit dem 3. Februar 2025 digital über das Wildtierportal.

Der Unterschied zur Bejagung ist wichtig: Es geht nicht darum, den Bestand zu senken, sondern darum, das Virus aus der Fläche zu nehmen. Ein gefundener Kadaver zählt mehr als ein erlegtes Stück.

Was das Wärmebild an einem toten Tier überhaupt sieht

Hier liegt das Missverständnis, das die meisten Gespräche eröffnet. Bei der Kitzrettung sucht die Kamera die Körperwärme eines lebenden Tieres, rund 38 Grad gegen eine kühle Wiese. Ein Kadaver hat keine Körperwärme mehr, und trotzdem hebt er sich ab.

Der Grund liegt in der Zersetzung. Abbauprozesse und die daran beteiligten Organismen setzen Wärme frei, und dieser Rest an Temperaturunterschied ist das, was die Kamera findet. Wie belastbar das ist, wird gerade untersucht: Ein Forschungsprojekt im Nationalpark Bayerischer Wald prüft, wie sich Lufttemperatur, Vegetationsdichte und der Temperaturverlauf des Kadavers während der Zersetzung auf die Erkennungsrate auswirken. Beteiligt sind unter anderem das Friedrich-Loeffler-Institut, das Bayerische Landeskriminalamt und vier Universitäten.

Für die Praxis heißt das: Die Liegezeit entscheidet mit. Ein frischer Kadaver ist leicht, ein alter schwer, und ein durchgefrorener kaum zu finden. Wer im Januar bei Dauerfrost sucht, sollte das vorher wissen und nicht hinterher erfahren.

Wo die Drohne an ihre Grenze kommt

Die zweite Grenze ist das Kronendach. Über Stoppel, Grünland, Schilf und lichtem Bestand sieht die Kamera den Boden. Unter dichter Fichte oder in einer Brombeerdickung sieht sie das Blätterdach, und darunter kann alles liegen.

Dafür ist die Fläche das Argument. An einem Einsatztag sind bei uns 400 bis 600 Hektar Offenland realistisch, systematisch im GPS-Raster abgeflogen, jeder Verdachtspunkt verortet und fotografiert. Eine Suchkette schafft das nicht, und sie soll es auch nicht.

Dazu kommt der Punkt, der in der Seuchenlage zählt: Wer fliegt, betritt das Gebiet kaum. Jeder Stiefel, jeder Reifen und jeder Hund im Sperrgebiet ist ein möglicher Verschleppungsweg.

Was der Hund kann, was die Drohne nicht kann

Der Kadaverspürhund arbeitet über die Nase und ist damit unabhängig von Temperatur, Tageszeit und Deckung. Genau dort, wo das Wärmebild nichts liefert, ist er stark: im dichten Unterholz, bei Frost, bei langer Liegezeit, bei Teilen statt ganzen Tieren.

Der Preis dafür ist die Fläche. Das Training Center Retten und Helfen prüft die Teams in drei Stufen von grün über gelb nach rot, und mit der Stufe steigen die Zahl der zu findenden Kadaverteile und die Suchfläche, die dabei zwischen einem und drei Hektar liegt. Das ist die Größenordnung, in der ein Team arbeitet, nicht der Quadratkilometer.

Wie ernst das Land die Sache nimmt, zeigt der Umfang: Das Center wurde vom Ministerium für Ländlichen Raum in Baden-Württemberg mit der Ausbildung und Bereitstellung der Kadaversuchteams beauftragt und hat nach eigenen Angaben über 300 Mensch-Hund-Teams und 70 Drohnenteams ausgebildet.

Die Suchkette und ihr eigener Preis

Die Suchkette aus Menschen ist das älteste Verfahren und in bestimmten Lagen unersetzlich, etwa wenn ein gemeldeter Fund geborgen werden muss oder ein kleines Gebiet lückenlos abgesucht wird.

Sie ist aber teuer, langsam und in der Seuchenlage riskant: Viele Personen bewegen sich über viele Stunden durch das verseuchte Gebiet. Deshalb steht sie am Ende der Reihenfolge und nicht am Anfang.

Die Aufteilung, die sich bewährt hat

Zuerst die Drohne über die offenen Flächen und die Ränder, weil sie in einem Tag mehr abdeckt als alles andere und die Fundstellen exakt verortet. Dann der Hund in den Beständen, die von oben zu sind, und in allem, was das Wärmebild bei Frost oder langer Liegezeit nicht mehr hergibt. Die Suchkette gezielt dort, wo geborgen wird oder wo beide Verfahren an Grenzen stoßen.

Der gemeinsame Nenner ist die Dokumentation. Koordinaten, Bilder und abgeflogene Fläche gehören zur Leistung, weil die Behörde nicht nur den Fund braucht, sondern den Nachweis, welche Fläche wann abgesucht wurde. Ein Fund ohne Karte ist für das Seuchenmanagement halb so viel wert.

Wer beauftragt, und was Vereine mit geförderter Drohne wissen müssen

Aufträge kommen in aller Regel nicht vom Grundeigentümer, sondern vom Veterinäramt, vom Landkreis, von der Kreisjägervereinigung oder vom Jagdausübungsberechtigten. Suchgebiet, Zonen und Hygieneauflagen werden vorher festgelegt, und ohne diese Freigabe fliegt niemand.

In eigener Sache: Anfragen können Sie direkt an uns richten, Beauftragung und Abrechnung laufen über den Maschinenring Schwäbisch Hall. Abgerechnet wird nach Einsatzzeit, weil sich eine Seuchenlage nicht nach Hektar planen lässt.

Und eine Regel, die viele Vereine nicht kennen: Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung hat ihre Förderrichtlinie am 10. Juli 2024 so überarbeitet, dass für die Rehkitzrettung geförderte Drohnen auch für die Kadaversuche im Rahmen der ASP-Bekämpfung eingesetzt werden dürfen. Das ist keine stille Erlaubnis: Wird die geförderte Drohne entgegen dem eigentlichen Förderzweck zur Suche nach verendeten Wildschweinen benutzt, muss das der Behörde mitgeteilt werden. Wer das versäumt, riskiert seinen Zuschuss.

Häufige Fragen

Findet eine Wärmebilddrohne einen kalten Kadaver?

Oft ja, aber nicht über die Körperwärme. Sichtbar wird die Wärme aus der Zersetzung. Mit langer Liegezeit und sinkender Lufttemperatur nimmt der Unterschied ab, bei Dauerfrost bleibt wenig übrig.

Warum reicht die Drohne nicht allein?

Weil sie unter dichtem Kronendach nicht auf den Boden sieht. Dort arbeitet der Kadaverspürhund über die Nase, unabhängig von Temperatur und Deckung. Beide Verfahren decken unterschiedliche Teile desselben Gebiets ab.

Wie viel Fläche schafft ein Suchtag?

Mit der Drohne sind 400 bis 600 Hektar Offenland an einem Einsatztag realistisch. Ein Mensch-Hund-Team arbeitet in der Größenordnung von ein bis drei Hektar je Suche, so groß sind auch die Prüfungsflächen in der Ausbildung.

Darf eine geförderte Kitzrettungsdrohne für die ASP-Suche genutzt werden?

Ja. Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung hat die Förderrichtlinie am 10. Juli 2024 entsprechend überarbeitet. Der Einsatz entgegen dem eigentlichen Förderzweck muss der Behörde aber mitgeteilt werden.

Quellen und Rechtsstand

Stand dieses Beitrags: 8. September 2026. Rechtsangaben ändern sich; vor einer Entscheidung lohnt der Blick in die jeweils gültige Fassung.

Weiter: ASP-Kadaversuche im Ablauf · Was vor der Maisernte in der Sperrzone zu tun ist · Warum die Uhrzeit über den Erfolg entscheidet · Förderung für Drohnen mit Wärmebildkamera · Einsatz anfragen

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