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Wildschweine im Mais: Warum die Drohne im September findet, was sie im Juli übersieht

Die häufigste Rückfrage bei der Wildschwein-Suche lautet: Sieht die Kamera durch den Mais? Die kurze Antwort ist nein. Die längere Antwort erklärt, warum die Suche trotzdem funktioniert, und wann sie es nicht tut.

Zwei Frischlinge liegen dicht nebeneinander in trockenem Bewuchs

Technik und Wärmebild · · 2 Minuten Lesezeit · von

Was die Kamera tatsächlich misst

Eine Wärmebildkamera erkennt Temperaturunterschiede, nicht Formen. Sie sieht kein Wildschwein, sondern eine Fläche, die wärmer ist als ihre Umgebung. Ob daraus ein Wildschwein wird, entscheidet der Mensch am Bildschirm anhand von Größe, Bewegung und Zusammenhang.

Daraus folgt die entscheidende Größe: der Abstand zwischen Tier und Untergrund. Bei der Kitzrettung liegt er im Morgengrauen bei gut zwanzig Grad, ein Kitz hat rund 38 Grad, die Wiese 10 bis 15. Bei Schwarzwild im Mais ist der Abstand tagsüber viel kleiner, weil der Bestand in der Sonne selbst warm wird.

Infrarot durchdringt Blattmasse nicht. Was die Kamera vom Tier sieht, sind die Lücken: Fahrgassen, Wildschäden, umgedrückte Stellen, Übergänge zum Feldrand. Genau dort halten sich Sauen tagsüber aber ohnehin bevorzugt auf.

Warum der Zeitpunkt im Jahr die Rolle spielt

Im Juli steht der Mais dicht und grün, die Pflanze transpiriert und hält die Bestandstemperatur nahe an der Lufttemperatur. Der Bestand ist geschlossen, es gibt kaum Lücken, und die Kamera sieht ein weitgehend gleichmäßiges Bild.

Ab Ende August ändert sich das. Die unteren Blätter sterben ab, der Bestand wird lichter, und im abreifenden Mais entstehen Fahrgassen und Schadstellen, die von oben einsehbar sind. Gleichzeitig ziehen die Sauen stärker in den Mais, weil er Deckung und Nahrung zugleich bietet. Beides zusammen macht September und Oktober zur eigentlichen Saison.

Der zweite Faktor ist die Tageszeit. Geflogen wird in der Dämmerung, wenn der Bestand abgekühlt ist und die Tiere aktiv werden. Aus 50 bis 100 Metern Höhe hebt sich eine Rotte dann deutlich ab. Mittags bei voller Einstrahlung ist derselbe Schlag praktisch unlesbar.

Was den Einsatz scheitern lässt

Regen und Nebel sind die harten Ausschlussgründe. Wassertropfen auf der Vegetation gleichen die Temperaturen an, und Nebel dämpft die Strahlung auf dem Weg zur Kamera. Bei starkem Wind kommt hinzu, dass die Drohne nicht mehr ruhig genug steht, um ein verwertbares Bild zu liefern.

Der zweite Grund ist organisatorisch: Eine Suche ohne abgestimmte Jagdausübung bringt nichts. Wenn die Rotte gefunden, aber niemand in Position ist, wechselt sie den Schlag und die Information ist eine halbe Stunde später wertlos. Der Flug ist der einfache Teil.

Und ein Punkt, der oft vergessen wird: Die Drohne braucht eine Startposition mit Sicht auf den Schlag und einen Betreiber, der die geografischen UAS-Gebiete geprüft hat. In der Nähe von Flugplätzen oder in Schutzgebieten ist der Flug nicht automatisch zulässig.

Häufige Fragen

Sieht die Wärmebildkamera durch den Mais hindurch?

Nein. Infrarotstrahlung wird von Blattmasse abgeschirmt. Gefunden wird, was in Lücken des Bestands liegt oder sich darin bewegt: Fahrgassen, Schadstellen, Wechsel und Ränder. Im lichteren Bestand ab Ende August ist der Anteil solcher Stellen deutlich höher.

Welche Uhrzeit ist die richtige?

Die Dämmerung, morgens wie abends. Dann ist der Bestand abgekühlt und die Tiere sind aktiv. Bei voller Sonneneinstrahlung erwärmt sich der Bestand ungleichmäßig und erzeugt Signaturen, die von Tieren kaum zu unterscheiden sind.

Ersetzt die Drohne den Ansitz?

Nein, sie ergänzt ihn. Die Drohne sagt, wo sich etwas befindet und in welche Richtung es zieht. Was daraus wird, entscheidet die Jagdausübung am Boden. Ohne abgestimmte Ansteller ist die Information nach kurzer Zeit veraltet.

Quellen und Rechtsstand

Stand dieses Beitrags: 2. September 2026. Rechtsangaben ändern sich; vor einer Entscheidung lohnt der Blick in die jeweils gültige Fassung.

Weiter: Wildschwein-Suche als Leistung · Die Uhrzeit entscheidet · Einsatzgebiet und Anfahrt

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